Frage von Manuela W. aus Stuttgart an Professor Dr. Stefan Zimmer, Sprecher der Informationsstelle für Kariesprophylaxe und Lehrstuhlinhaber für Zahnerhaltung und Präventive Zahnmedizin an der Universität Witten/Herdecke:

Der Schulzahnarzt hat bei meiner Tochter kürzlich ein Loch im Milchzahn entdeckt. Muss man da etwas machen, wo doch der Zahn sowieso bald rausfällt?“

Ja, auch an den Michzähnen muss Karies behandelt werden. Denn sie ist besonders tückisch. Leichte Veränderungen, die auf den Zahnschmelz begrenzt sind, lassen sich zunächst mit Fluorid in Schach halten. Viele Eltern nehmen jedoch erste kariöse Veränderungen gar nicht wahr. Liegt bereits ein tiefer Defekt vor, muss gebohrt werden.

Trotz des positiven Trends eines allgemeinen Kariesrückganges stellt die sogenannte frühkindliche Karies nach wie vor ein ernst zu nehmendes Problem dar. Fast jedes zweite Kind leidet darunter. Einem erneuten Auftreten von Karies bei Ihrer Tochter sollten Sie daher unbedingt vorbeugen. Sie sollte bereits jetzt lernen, dass für gesunde Zähne nicht nur das Zähneputzen wichtig ist, sondern auch die Ernährung und die Aufnahme von Fluoriden sowie regelmäßige Zahnarztbesuche. Denn von der richtigen Zahnpflegeerziehung hängt oft ab, wie gesund die Zähne im Erwachsenenalter sind.

Die häufigste Ursache für eine Karies an den Michzähnen ist der Konsum von zuckerhaltigen Getränken. Insbesondere das dauernde „Nuckeln“ an Trinkflaschen ist dabei besonders gefährlich.

Kinder ab dem sechsten Geburtstag, Jugendliche und Erwachsene putzen grundsätzlich am besten zweimal täglich mit einer Zahnpasta mit möglichst hohem Fluoridgehalt von bis zu 1.500 ppm. Für Kinder unter sechs Jahren gibt es spezielle Kinderzahnpasten. Sie enthalten lediglich 500 ppm Fluorid. Als einfach zu lernende Zahnputztechnik eignet sich für Kinder besonders die KAI-Technik. Hier werden Kauflächen schrubbend, Außen- und Innenflächen in kreisenden Bewegungen geputzt. Bis zu einem Alter von etwa acht Jahren, bis das Kind flüssig schreiben kann, müssen die Eltern das Zähneputzen überwachen und gegebenenfalls nachputzen.

Als zweite Möglichkeit zur Versorgung der Zähne mit Fluorid empfehlen Fachgesellschaften täglich Jodsalz mit Fluorid im Haushalt zu verwenden. Die enthaltenen Fluoride wirken bereits im Mund und schützen so bereits während des Essens vor Karies.

Stellt Ihr Zahnarzt ein hohes Kariesrisiko fest, kann eine so genannte Fissurenversiegelung sinnvoll sein. Sie dient dazu, kariesgefährdete Kinder und Jugendliche ab dem Durchbruch des ersten bleibenden Backenzahnes bis zum 18. Lebensjahr vor Kariesbefall an den Zahn-Fissuren der Backenzähne zu bewahren. „Versiegelt“ der Zahnarzt, so reinigt er die noch gesunden Zähne und schließt die Fissuren mit dünn fließendem Kunststoff ab. So schützt er die Zähne vor Zahnbelag und Bakterienwachstum.

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